Hypnose in der Medizin – Studien, Forschung und Erfahrungen aus der Praxis
In den letzten Tagen wurde ich mehrfach skeptisch angeschaut, als ich erzählt habe, dass ich eine Arztpraxis betreibe, die ausschließlich mit Hypnose arbeitet.
„Alternative Medizin?“
„Ist das nicht eher Show?“
„Ein bisschen Esoterik?“
Interessanterweise kamen einige der kritischsten Reaktionen von ärztlichen Kollegen.
Und ganz ehrlich: Ich kann das nachvollziehen.
Früher habe ich ähnlich gedacht.
Während meines Studiums kam Hypnose praktisch gar nicht vor – nicht einmal am Rande. Gleichzeitig habe ich damals gelernt, dass das Gehirn mit Anfang zwanzig „fertig ausgebildet“ sei und danach im Grunde ein relativ starres System bleibt.
Heute wissen wir, dass das nicht stimmt.
Die Neuroplastizität des Gehirns zeigt, dass unser Gehirn bis ins hohe Alter neue neuronale Verbindungen bilden kann. Unser Gehirn ist kein statisches System – es verändert sich ständig.
Eine jahrhundertealte medizinische Methode
Dabei ist Hypnose eigentlich keine neue oder „alternative“ Methode.
Sie ist eine jahrhundertealte Form der Therapie.
Bevor moderne Medikamente zur Schmerzbekämpfung entwickelt wurden, wurden Zahnoperationen und andere chirurgische Eingriffe häufig unter Hypnose durchgeführt.
Erst mit der Entdeckung von Chloroform und später immer wirksameren Narkosemitteln geriet Hypnose zunehmend in den Hintergrund der Medizin.
Eigentlich schade.
Denn Hypnose ist nicht nur bei Schmerzreduktion oder Sedierung wirksam, sondern kann auch bei vielen psychologischen und psychosomatischen Beschwerden eingesetzt werden.
Wissenschaftliche Forschung zur Hypnose
Heute wird Hypnose auch wissenschaftlich intensiv untersucht.
Studien zeigen beispielsweise unter MRT, welche Hirnareale sich während einer Trance verändern.
Forschende wie Dr. David Spiegel von der Stanford University beschäftigen sich seit über 40 Jahren mit Hypnose und ihren neurobiologischen Grundlagen.
Auch der renommierte Psychologe Dr. Stephen Kosslyn von der Harvard University untersucht die neurokognitiven Mechanismen von Hypnose und mentaler Vorstellungskraft.
In Deutschland arbeitet unter anderem Dr. Barbara Schmidt von der Universität Jena daran, die Studienlage weiter auszubauen und Hypnose als evidenzbasierte Therapieform stärker zu etablieren.
Hypnose im Operationssaal
Auch in der Chirurgie wird Hypnose bereits eingesetzt.
Die Universität Lüttich gilt hier als einer der Vorreiter. Seit den 1990er-Jahren wurden dort mehrere tausend Patienten bei größeren Operationen – zum Beispiel Schilddrüsenoperationen – unter Hypnose behandelt.
Dabei wird auf eine Vollnarkose verzichtet. Stattdessen wird Hypnose in Kombination mit einem Lokalanästhetikum eingesetzt.
Die Ergebnisse sind bemerkenswert:
geringeres Angsterleben der Patienten
weniger Komplikationen
weniger postoperative Entzündungen
schnellere Erholung der Patienten
und dadurch teilweise auch geringere Krankenhauskosten
Zudem können Nebenwirkungen klassischer Narkosemittel reduziert oder ganz vermieden werden, wenn diese nicht oder nur minimal eingesetzt werden müssen.
Meine persönliche Erfahrung
Mich persönlich muss heute niemand mehr davon überzeugen, dass Hypnose wirkt.
Ich habe es an mir selbst erlebt – und ich sehe es regelmäßig bei meinen Patienten.
Gleichzeitig bin ich dankbar für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die weiterhin daran arbeiten, die Studienlage zu verbessern und unser Verständnis über Hypnose zu vertiefen.
Denn am Ende geht es nicht um Meinungen oder Vorurteile.
Sondern darum, Menschen wirksam zu helfen.
Natalie Langen
Praxis für medizinische Hypnose